Gottesdienst
Andacht
Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du eine Macht geschaffen gegen alle, die dich bedrängen, auf dass Feindschaft und Rache verstummen.
(Ps 8, 3; Bibel in gerechter Sprache)
Am 20. September ist Weltkindertag - hätten Sie‘s gewusst? So richtig im öffentlichen Bewusstsein angekommen ist
dieser Tag ja auch fast siebzig Jahre nach seiner Einführung in der Bundesrepublik und immerhin gut 30 Jahren der öffentlichen Feier noch nicht wirklich - ganz anderes als etwa der Internationale Kindertag am 01. Juni in den ostdeutschen Bundesländern.
In diesem Jahr steht der Weltkindertag in Deutschland unter dem Motto „Kinderrechte jetzt!“ und rückt damit gerade im Wahljahr 2021 die Rechte von Kindern noch einmal besonders ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie nötig das ist, hat sich in Zeiten der Corona-Pandemie auch darin gezeigt, dass Kinder und ihre Interessen und Bedürfnisse oft hintenan standen. Immer wieder ist da der Eindruck entstanden, dass gerade Kinder und Jugendliche zurückstecken mussten und besonders unter den Einschränkungen gelitten haben. Als ich diese Zeilen schreibe, wird gerade diskutiert, wie es nach den Sommerferien in den Schulen weitergehen kann und ob Kinder da nicht schon wieder Gefahr laufen, zu den Verlierer* innen der Pandemie zu werden.
Einen ganz anderen Blick wirft der Schöpfungspsalm 8 auf die Kinder: einen irritierenden - vielleicht ja heilsam irritierenden Blick. In seinem staunenden Lobpreis kommen Kinder als diejenigen in den Blick, in deren Äußerungen Gott selbst zu hören ist, aus deren Mund er eine Macht gegen alle Gewalt und alles Unrecht gründet. Da sollen Feindschaft und Rache zum Ende kommen, da spricht aus dem Psalm die Hoffnung, dass die Menschen sich bewegen lassen, ihre herausgehobene Stellung in der Schöpfung zum Guten zu nutzen, der Gewalt auf der Erde ein Ende zu machen, einzustimmen in das Lob Gottes, das den Psalm umschließt.
Mir kommt ein Lied in den Sinn, das wir damals gerne gesungen haben, als ich selbst noch Jungscharkind war. Ganz schön selbstbewusst heißt es da: „Wir sind die Kleinen in den Gemeinden, doch ohne uns geht gar nichts, ohne uns geht‘s schief. Wir sind das Salz in der Suppe der Gemeinde. Egal was andre meinen, wir machen mit!“ Und in den weiteren Strophen wird das Bild dann immer wieder verändert: da sind „die Kleinen“ dann das Licht in der Nacht, die Hefe im Teig, der Schatz im Acker und in der letzten Strophe dann „die Kinder im Leben der Gemeinde“.
Gut, wenn sie vorkommen in unseren Gemeinden, wenn sie gehört und ihre Rechte und Bedürfnisse wahrgenommen werden in Kirche und Gesellschaft. Und dann könnte es ja passieren, dass wir da aus ihrem Mund Gott selbst hören und uns bewegen lassen, Verantwortung übernehmen und diese Welt verändern…
Ich freue mich auf viele Begegnungen mit den Kindern im Leben unserer Gemeinde in der nächsten Zeit und wünsche allen einen gesegneten Spätsommer!
Ihr Pfarrer Hendrik Meier